ARCHIV

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Die Veröffentlichung der nachfolgenden Texte (ganz oder teilweise) nur mit Genehmigung des Autors.

RELIGION | KIRCHE
Die Verantwortung des Menschen gegenüber dem Planeten Erde aus biblischer Sicht

Es ist begrüssenswert, dass endlich ein Papst den Planeten Erde als gefährdeten Lebensraum für Menschen, Pflanzen und Tiere zum Gegenstand einer Enzyklika macht. Bis jetzt war der Focus Roms jahrzehntelang einseitig auf Sexual- und Ehemoral gerichtet und man schien nicht wahrzunehmen, dass die Welt – Gottes Schöpfung – durch menschliches Tun vor die Hunde geht. Dabei hätte man bei richtiger Exegese schon lange wissen können, dass der erste Schöpfungsbericht, Gen 1 – 2,4a, ein Text von höchster ökologischer Brisanz ist. Aber diese Erzählung wurde - leider – wie viele anderen der hebräischen Bibel, unserem Alten Testament – mit der dogmatischen Brille gelesen, wobei dann eben die Ebenbildlichkeit im Zentrum stand, welche seinsmässig verstanden wurde und dem Menschen eine unendliche Würde verlieh.
Aber die alten Israeliten waren keine Philosophen und dachten eher in mythologischen Kategorien. Tatsächlich enthält die hebräische Bibel auf weite Strecken mythologische Texte, so z. B. Gen 1 – 11 (Turmbau zu Babel), welche nur mit dem entsprechenden Symbolschlüssel zu entziffern sind. Im ersten Schöpfungsbericht, trotz des rationalen Anscheins auch ein mythologischer Text, ist nicht die Ebenbildlichkeit das zentrale Faktum, sondern die Art und Weise, wie Gott die Schöpfung schafft. Nicht aus dem Nichts, wie immer wieder behauptet wird (so auch Paulus Röm 4,17), sondern Gott gestaltet eine unforme, lebensfeindliche Masse (hebr. תהו ובהו tohu wa bohu – wüst und leer), sodass Leben möglich wird. Und das Resultat lässt sich sehen, denn Gott sah, dass sein Werk gut, ja sehr gut ist. Die Gutheit der Schöpfung ist denn auch die zentrale Aussage dieses Schöpfungsberichts. Dieses Werk Gottes, die Schöpfung, wird nun dem Menschen als Ebenbild, d. h. als Stellvertreter Gottes auf Erden, anvertraut zum „bebauen und bewahren“, wie es im zweiten Schöpfungsbericht heisst (Gen 2,15). Im ersten Schöpfungsbericht steht dafür die missverständliche Formulierung „untertan machen“.

Ebenbildlichkeit heisst also nicht „sein wie Gott“, die Anmassung der ersten Menschen in der ’Sündenfall’-geschichte (Gen 3,5). Als Bild Gottes steht der Mensch an Stelle Gottes. In seinem Namen und in seinem Auftrag steht er in der Welt. Er ist Stellvertreter Gottes auf Erden. Als solcher muss er das Werk Gottes weiterführen, wie wenn Gott selber es tun würde. D.h. der Mensch muss – noch einmal – nicht „sein wie Gott“, er muss handeln wie Gott. So soll der Mensch als Ebenbildlicher die Erde untertan machen und über die Tiere herrschen; so, wie wenn Gott selber es tun würde. So, dass Gott auch nach jedem Tag Menschenherrschaft sagen kann: und er sah, dass es gut war. Der Mensch muss also in seinem Herrschen und Untertanmachen die Schöpfungsharmonie bewahren. Dies ist der tiefe Sinn des sogenannten Herrschaftsauftrages. – Leider hat die christliche Theologie seit ihren Anfängen diesen Sinn nicht erkannt. Sonst stünde es vielleicht besser um den Planeten Erde.

September 2015

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Kommentar zu einem Artikel in Publik-Forum
vom 1. Juni 2015

> „Die Homo-Ehe ist ein Menschenrecht“
Dass die Iren zu Gunsten der Home-Ehe gestimmt haben, hat sich die Kirche selbst eingebrockt. Was ist denn schlimmer, Home-Ehe oder der jahrzehntelange – wohl von allen kirchlichen Verantwortlichen geduldete – Missbrauch durch Priester? Aber mit der Schwulenehe habe ich meine liebe Mühe. Im Alten Testament war die Homosexualität verboten, wohl, weil sie Nachkommenschaft verhinderte. Im christlichen Abendland war sie sündhaft und verboten, weil sie als bewusst gesuchte Perversion betracht wurde. Es brauchte lange, bis die Humanwissenschaften herausfanden, dass Homosexualität eine Spielart der Natur ist, welche auch im Tierreich vorkommt. Deshalb war es ein grosser Fortschritt, dass Homosexualität nicht mehr verfolgt und bestraft wurde. Dass Homosexuelle zusammen wohnen, ist auf Grund der neuen Erkenntnisse eine logische Folge. Es ist denn auch nichts dagegen einzuwenden, dass sie sich rechtlich absichern durch eine Art Konkubinatsvertrag. Einer kirchlichen Segnung sollte da eigentlich nichts im Wege stehen. Aber eine Eheschliessung wenn möglich noch mit Kindsadoption geht für mich zu weit. Die Ehe ist in meinen Augen immer noch eine Lebensgemeinschaft zweier heterosexueller Individuen, eingegangen im Prinzip in der Absicht, Nachkommenschaft zu generieren.

Juni 2015

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Das Verhältnis Kirche – Staat im Kt. Bern

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der finanziellen Situation des Kantons Bern möchte der Regierungsrat das Verhältnis Kirche-Staat neu regeln. Dieses beruht bis heute auf einer Vereinbarung aus dem Jahre 1803 (!), gemäss welchem der Kanton im Gegenzug zur damaligen Verstaatlichung des kirchlichen Grundeigentums die Besoldung der Pfarrer/Pfarrerinnen übernimmt. Diese sind demgemäss Staatsangestellte und werden aus allgemeinen Steuermitteln besoldet. Im Zeitalter der konfessionellen Vielfalt eine reichlich antiquierte Regelung. Ausserdem sind die mehr als 200 Jahre alten Ansprüche doch schon längst abgegolten und verjährt.

Im Kanton Zürich z. B., welcher eine ähnliche kirchengeschichtliche Vergangenheit hat wie der Kanton Bern, erhielten die anerkannten kirchlichen Gemeinschaften (ref. und katholische Landeskirche, alt-katholische Kirche, jüdische Kultusgemeinde) im Jahre 2010 den rechtlichen Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Steuerhoheit. Sie haben das Recht, bei ihren registrierten Kirchenmitgliedern Steuern zu erheben, aus welchen sämtliche Verbindlichkeiten des kirchlichen Gemeinwesens (Personalkosten, Betriebskosten, usw.) zu bestreiten sind. Dies ist die einzige den aktuellen konfessionellen Verhältnissen gerecht werdende Lösung. Da macht sich dann halt auch der Umstand der sinkenden kirchlichen Mitgliederzahlen schmerzlich bemerkbar.
Aber es kann doch nicht Aufgabe des Staates sein, diesem Trend durch künstliche Aufrechterhaltung einer überholten Regelung im Verhältnis Staat-Kirche entgegenzuwirken.

Juni 2015

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Franz Xaver Kaufmann bezeichnet in seinem Buch „Kirche in der ambivalenten Moderne“ die Kirche als Kommunikationsgemeinschaft (S. 177). Nur sollte man die Kommunikationsregeln beherrschen, um glaubwürdig zu sein. Ich habe am 27.12.2014 der Schweiz. Bischofskonferenz mit Kopie an deren Präsidenten, Herrn Bischof Büchel, einen Brief geschrieben, nie eine Antwort erhalten. Am 10.3.2015 habe ich Herrn Bischof Büchel und Gottfried Locher, Präsident des Schweiz. Evang. Kirchenbundes, gemeinsam einen Brief geschrieben, keine Antwort erhalten. Ein Gymikolleg von mir, ein in der kirchlichen Medianlandschaft ziemlich bekannter Name, hat vor zwei Jahren dem päpstlichen Nuntius eine drei Seiten langen Brief geschrieben, ohne je eine Antwort erhalten zu haben. Kürzlich hat sich das Schweiz. Fernsehen an de päpstlichen Nuntius gewandt (in der Affäre Homosexuellen-Seg­nung?), wurde schroff abgewiesen. Jeder kaufmännische Lehrling lernt im ersten Lehrjahr, dass ein Brief mindestens bestätigt werden muss, oder, wie der Franzose sagt, accuser réception. Wie will denn die Kirche aus ihrer Glaubwürdigkeitskrise herauskommen, wenn sie nicht einmal die primitivsten Kommunikations- (und Höflichkeits-)regeln beachtet.

Im Facebook veröffentlicht

27.4.2015

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Ansprach des Papstes anlässlich des ad-limina-Besuches der Schweizer Bischöfe am 1. Dezember 2014

Der Osservatore Romano, das offizielle Publikationsorgan des Vatikans, hat die Ansprache des Papstes an die Schweizer Bischöfe anlässlich ihres ad-limina-Besuches veröffentlicht. Diese enthält eine ziemlich unverhüllte Schelte an die Schweizer Kirche über den zu liberalen Umgang mit kirchlichen Vorschriften (Interkommunion, Einsatz von Laien, usw.). Bischof Huonder wird sich ins Fäustchen lachen. Wer hat den Papst informiert? Der Nuntius? Aufgrund von Klagen gut meinender strenggläubiger Christen?

Dieses Dokument enthält aber auch, und das ist von viel grösserer Bedeutung, in einem kurzen Abschnitt das Grundanliegen dieses Papstes, sein ceterum censeo, „ich ermutige Euch auch, ein gemeinsames deutliches Wort zu den Problemen der Gesellschaft zu sagen, in einem Moment, in dem manche Menschen – sogar innerhalb der Kirche – versucht sind, vom Realismus der sozialen Dimension des Evangeliums abzusehen“. Wahrscheinlich ist ihm bekannt, dass in unserem Land Milliardenvermögen dank des Bankgeheimnisses vor dem Fiskus verstreckt sind, während man im Begriffe ist, wegen sogenannt fehlender Finanzen die Sozialleistungen zu kürzen. Ein handfester Skandal, der in einem Hirtenwort der Bischöfe zu geisseln wäre.

18.12.2014

 

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Die Schwierigkeit zu glauben heute

Warum stehen die die Kirchen leer, titelte vor einiger Zeit eine bekannte Tageszeitung. Darüber wird immer wieder geschrieben und diskutiert und immer wieder wird die Ursache vor allem im Zeitgeist gesehen, in der „Religion“ des Konsumismus und im Hedonismus (Lustprinzip).
Aber niemand stellt sich die Frage, ob die im Katechismus und im Glaubens-bekenntnis verpflichtend dargestellte christliche Lehre dem heutigen Menschen überhaupt noch vermittelt werden kann. Eine Stellungnahme dazu lässt sich leider nicht auf drei kurze Sätze reduzieren. Meine vorläufige Antwort lautet: der heutige Mensch lebt in einem Weltbild und einer Wirklichkeit, welche sich radikal von derjenigen unterscheidet, in welchem die christliche Religion entstanden ist. Und der christliche Glaube ist ja auch nicht wie ein Meteor eines schönen Tages vom Himmel gefallen, sondern er hat sich in einem langwierigen Denkprozess während den ersten 300 Jahren unserer Zeitrechnung entwickelt. Diesen Prozess möchte ich nachfolgend kurz skizzieren.

Jesus war Jude, nicht der erste Christ. Er stand voll in der Tradition seines Volkes. Er war der hebräischen Bibel, unserem Alten Testament, verpflichtet, wie auch die sich nach Jesu Tod formierende jüdisch geprägte Urgemeinde. Man muss nun wissen, dass in der hebräischen Bibel Gott eine Erfahrungsgrösse ist, keine Denkgrösse wie in der griechischen Philosophie und der darauf bauenden christlichen Theologie.... >weiterlesen

10. Oktober 2014

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Stellungnahme zum Leserbrief von Dr. sc. nat. Bruno Capelli

> hier finden Sie den Original Leserbrief von Bruno Capelli

Ich kann den Einwand von Herrn Dr. sc. nat. Bruno Capelli sehr gut verstehen. Er hat den christlichen Glauben dermassen verinnerlicht, dass er zu einer existentiellen Gewissheit und einer unverbrüchlichen Sinnbasis geworden ist. Das ist durchaus möglich, aber nicht für jedermann und heute weniger denn je. Denn es handelt sich um einen verordneten Glauben. Katechismusfrage (alter Katechismus): „Was heisst glauben? Glauben heisst, alles für wahr halten, was Gott geoffenbart hat und durch die katholische Kirche zu glauben lehrt.“ Dieser Glaube hat sich in ersten drei Jahrhunderten unserer Zeitrechnung im sog. hellenistischen Kulturraum (griechische Philosophie, griechische Weltanschauung) entwickelt. Und es dauerte Jahrhunderte, bis dieser Glaube einigermassen flächendeckend in Europa verbreitet war und vielfach war dies nur unter Gewaltanwendung möglich (jahrelanger Kampf Karls des Grossen gegen die Sachsen). Erich Fromm meinte auch einmal sinngemäss, dass Europa das Christentum gar nie richtig angenommen habe, es sei ihm übergestülpt worden wie ein Hemd. Es ist ja auch erstaunlich, wie rasch sich im 16. Jh. ganze Völkerschaften vom katholischen Glauben abgewendet hatten und zum neuen protestantischen Glauben übergetreten waren. Sogar Österreich war zeitweise protestantisch und musste mit behördlicher Gewalt rekatholisiert werden. Heute leben wir in einer von der hellenistischen Kultur radikal verschiedenen Welt. Sie ist von der Aufklärung und den Wissenschaften geprägt. Der heutige Mensch lebt im Bewusstsein der Machbarkeit aller Dinge. Damit tritt er eigentlich an die Stelle Gottes; er schafft eine eigene Schöpfung, eine zweite Schöpfung, das ’regnum hominis’, das Reich des Menschen, welches nichts und niemandem verpflichtet sein soll als dem Menschen selbst. Ob das damit verbundene mechanistische und materialistische Weltbild das Sinnbedürfnis des Menschen befriedigen kann, ist eine andere Frage. Vermutlich ist die Überzeugung von Herrn Capelli ein tragfähigerer Sinngrund. Aber, wie gesagt, verallgemeinern lässt sich dies nicht. Noch ein Letztes. Märtyrertum ist kein Beweis für eine Religion. Es gibt in allen Religionen Märtyrer. Es gibt auch politische Märtyrer. Wenn ein Mensch von einer Idee zutiefst überzeugt ist, kann er bereit sein, sein Leben dafür zu lassen. Es gab übrigens im römischen Reich während den Christenverfolgungen bedeutend mehr Abtrünnige als Märtyrer (siehe Donatistenstreit im 4. und 5. Jh.)

Arnold Eichmann, Münchenbuchsee

Pfarrblatt Kt. Bern, Nr. 25/2014 – Leserbrief Bruno Capelli.

Jetzt endlich wissen wir es! Die römisch-katholische Kirche liegt falsch! Durch die Stimme eines gewissen José Balmer klärt uns das «pfarrblatt» des Kantons Bern diesbezüglich auf. Im Zeitalter der Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften, so Balmer, sei es unsinnig, an Jesus als Sohn Gottes festzuhalten! Die Märtyrer sind demnach umsonst gestorben und die Christen, die zurzeit weltweit Verfolgung erleiden (schätzungsweise hundert Millionen!), sind selber Schuld, wenn sie weiterhin an der Gottessohnschaft Jesu festhalten. Und die verstorbenen Vorfahren, auf deren Grabsteinen das persönliche Bekenntnis «Ich weiss, dass mein Erlöser lebt» eingemeisselt worden ist, sind einem Irrtum erlegen. Dumm gelaufen! Balmer sagt es theologisch «gscheit», Jesus war zwar ein göttlicher Mensch, aber sicher nicht der Sohn Gottes! Toll, welche «Wahrheiten» uns da das «römische Pfarrblatt» frei Haus liefert. Jetzt endlich weiss der Schreibende mit Gewissheit, weshalb unsere Kirchen so entsetzlich leer sind und die beamteten Theologen in Pastoral und Katechese so armselige Früchte vorzuweisen haben. Sie glauben nicht, was sie verkünden müssten! Wenn man ihnen aufmerksam zuhört, hat man immer dieses eigenartige Gefühl von Leere, von Schalheit und Geschwätzigkeit. Und so laufen die Zuhörer, die können, einfach weg. Die Kinder müssen noch bleiben ... um nach dem Schulaustritt für immer wegzubleiben. Die balmersche Punkt-Landung im Zielgebiet des Zeitgeistes gibt mit Bestimmtheit ein bisschen Beifall, aber mit Sicherheit keine geistliche Wirkung. Und so sei all jenen, denen dieses leergedroschene Stroh nicht reicht, zugerufen: Fasst Mut und haltet durch! Retten kann uns nur, wenn wir den Zumutungen Jesu eine Bahn brechen und es unverkürzt und unverwässert und mutig verkünden: «Du bist der Messias, der Sohn Gottes!» Und so ermutige ich all jene Leser, die nicht glauben mögen, dass in der Sache Gottes Schwätzer und falsche Propheten das letzte Wort haben werden: Habt also Mut und haltet durch! Hört nicht auf, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele diesen Jesus, den Sohn Gottes zu suchen und zu lieben und ihm nachzufolgen und sein Reich zu verkünden! Und wenn uns auf diesem Weg die Lehrer und die Hirten im Stiche lassen, so machen wir es, so gut es eben geht, selber. Die Kirche leidet nicht unter verkrusteten Strukturen, sondern unter Pfarrblättern, Hirten und Theologen, die ihre Aufgabe nicht wahrnehmen und den
Menschen statt lebendige Worte leeres Stroh hinwerfen.
Dr. sc. nat. Bruno Capelli, Grosshöchstetten

Pfarrblatt Kt. Bern, Nr. 25/2014 – Leserbrief Bruno Capelli.

Jetzt endlich wissen wir es! Die römisch-katholische Kirche liegt falsch! Durch die Stimme eines gewissen José Balmer klärt uns das «pfarrblatt» des Kantons Bern diesbezüglich auf. Im Zeitalter der Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften, so Balmer, sei es unsinnig, an Jesus als Sohn Gottes festzuhalten! Die Märtyrer sind demnach umsonst gestorben und die Christen, die zurzeit weltweit Verfolgung erleiden (schätzungsweise hundert Millionen!), sind selber Schuld, wenn sie weiterhin an der Gottessohnschaft Jesu festhalten. Und die verstorbenen Vorfahren, auf deren Grabsteinen das persönliche Bekenntnis «Ich weiss, dass mein Erlöser lebt» eingemeisselt worden ist, sind einem Irrtum erlegen. Dumm gelaufen! Balmer sagt es theologisch «gscheit», Jesus war zwar ein göttlicher Mensch, aber sicher nicht der Sohn Gottes! Toll, welche «Wahrheiten» uns da das «römische Pfarrblatt» frei Haus liefert. Jetzt endlich weiss der Schreibende mit Gewissheit, weshalb unsere Kirchen so entsetzlich leer sind und die beamteten Theologen in Pastoral und Katechese so armselige Früchte vorzuweisen haben. Sie glauben nicht, was sie verkünden müssten! Wenn man ihnen aufmerksam zuhört, hat man immer dieses eigenartige Gefühl von Leere, von Schalheit und Geschwätzigkeit. Und so laufen die Zuhörer, die können, einfach weg. Die Kinder müssen noch bleiben ... um nach dem Schulaustritt für immer wegzubleiben. Die balmersche Punkt-Landung im Zielgebiet des Zeitgeistes gibt mit Bestimmtheit ein bisschen Beifall, aber mit Sicherheit keine geistliche Wirkung. Und so sei all jenen, denen dieses leergedroschene Stroh nicht reicht, zugerufen: Fasst Mut und haltet durch! Retten kann uns nur, wenn wir den Zumutungen Jesu eine Bahn brechen und es unverkürzt und unverwässert und mutig verkünden: «Du bist der Messias, der Sohn Gottes!» Und so ermutige ich all jene Leser, die nicht glauben mögen, dass in der Sache Gottes Schwätzer und falsche Propheten das letzte Wort haben werden: Habt also Mut und haltet durch! Hört nicht auf, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele diesen Jesus, den Sohn Gottes zu suchen und zu lieben und ihm nachzufolgen und sein Reich zu verkünden! Und wenn uns auf diesem Weg die Lehrer und die Hirten im Stiche lassen, so machen wir es, so gut es eben geht, selber. Die Kirche leidet nicht unter verkrusteten Strukturen, sondern unter Pfarrblättern, Hirten und Theologen, die ihre Aufgabe nicht wahrnehmen und den
Menschen statt lebendige Worte leeres Stroh hinwerfen.
Dr. sc. nat. Bruno Capelli, Grosshöchstetten

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Ist es Zeit für neue Gottesbilder?

Ella de Groot, Pfarrerin in Muri-Gümligen, bewegt die Gemüter: Sie sagt, Gott entstehe bloss im Kopf. Der Theologe Matthias Zeindler kontert - Ein Streitgespräch >Artikel lesen

 

meine Stellungnahme
„Ist es Zeit für neue Gottesbilder?“

(reformiert Nr. 9/September 2013)
Die interessante und weit ausgreifende Diskussion zwischen Ella de Groot und Matthias Zeindler regt zu verschiedenen Reaktion an. Ich möchte auf einen Aspekt näher eingehen.
Matthias Zeindler, Dozent für systematische Theologie (Dogmatik) geht in der Darstellung und in der Begründung des heute dogmatisch verfassten Christentums auf Jesus von Nazareth und das Alte Testament zurück. Aber gerade mit diesem Rückgriff kann die heutige Dogmatik nicht begründet werden. Das alttestamentliche Gottesbild war in keiner Weise dogmatisch fixiert. Im ganzen AT sucht man vergebens nach einer Definition von Gott. Gott war eine Erfahrungsgrösse: Er offenbarte sich in seinem Handeln (Exodus), in seinen Werken (Schöpfung) und in seinem Wort. Diesem Gottesbild war auch Jesus von Nazareth verpflichtet, wobei er den Aspekt des Vatergottes, welcher die Haare des Hauptes zählt, in den Vordergrund stellte. Jesus hatte ein sehr intimes Verhältnis zu diesem Vatergott und sah dessen Wirken in der Welt in der Vorstellung des Reiches Gottes verwirklicht. Dass seine Verkündigung und sein grosses Anliegen eben dieses Reiches Gottes nicht verloren ging, gebot er seinen Jüngern, Anhängern, Sympathisanten, nach seinem gewaltsamen Tod sein Gedächtnis weiterzupflegen durch den Vollzug des Ritus des Brotbrechens (völlig undogmatisch). So geschah es auch (Beispiel Jünger von Emmaus Lk 24,13-35; Apg 2,46). Wichtig ist noch beizufügen, dass Jesus in diesem Gedächtnis nicht als Gott verehrt wurde. Er war lediglich im jüdischen Sinne ein aussergewöhnlicher Mensch, der Messias im alttestamentlichen Verständnis, ein Prophet. Es ist unvorstellbar, ein Ding absoluter Unmöglichkeit, dass ein Jude einem Menschen göttliche Qualität zuerkennen kann. „Beten mit Jesus ja, beten zu Jesus nein“, pflegte der berühmte jüdische Gelehrte Shalom Ben Chorin zu sagen. Wegen seiner Vergöttlichung Jesu zweifeln auch viele Juden das Judesein des Paulus an. – Leider war der ausschliesslich jüdisch geprägten Urgemeinde keine Zukunft beschieden, sie ging im Gefolge der politischen Wirren zwischen den römischen Besatzungstruppen und der jüdischen Kultgemeinde unter (Zerstörung Jerusalems im Jahre 70).

Und doch war die Erinnerung an das Wirken und die Botschaft Jesu von Nazareth nicht verloren.... >ganzen Artikel lesen

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Leserbrief zum Artikel „Streit unter den Bischöfen“ im Bund vom 27.8.2013.

Es ist unglaublich, was für Probleme die katholische Kirchenleitung bewegt. Die Schweizerischen Bischöfe haben verlauten lassen, dass das langjährige, durchaus bewährte staatskirchenrechtliche System in der Schweiz geändert werden muss und zwar, wie nicht anders zu erwaten, im Sinne der Verstärkung der Machtbefugnisse der Kirchenleitung. Diese Initiative kommt nicht aus heiterem Himmel, sie erfolgt kurz nach Rückkehr der deutschweizerischen Bischöfe aus Rom, wo sie wegen der Pfarreiinitiative vor dem Chef der Glaubenskongregation, dem deutschen Hardliner Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, Nachfolger von Kardinal Ratzinger, vortraben mussten. Das weltweit einmalige schweizerische staatskirchenrechtliche System war dem Vatikan schon immer ein Dorn im Auge. Nun schien für Rom die Zeit offenbar gekommen, die Kirche Schweiz auf römischen Kurs zu bringen. Das ist zweifelsfrei ein römisches Diktat und entspringt in keiner Weise der Initiative der Schweizerischen Bischöfe, abgesehen vom Churer Unikat.

 

Wenn man bedenkt, mit welchen Problemen die christlichen Kirchen generell, in der Schweiz, in Europa, ja sogar weltweit konfrontiert sind, dann kann man über die Sorgen des Vatikans nur den Kopf schütteln. Die Kirchenaustritte nehmen zu, nur noch schätzungsweise 50 % der Bevölkerung bekennt sich zum christlichen Glauben, und von diesen 50 % beteiligen sich nur noch gerade 10 % aktiv am kirchlichen Leben. Kirchen stehen leer und müssen umgenutzt oder verkauft werden. Und da bewegt den Vatikan nichts anderes als Strukturprobleme …. Den Churer Bischof dürfte es freuen, nur sollte ihm langsam bewusst werden, dass das Mittelalter längst vergangen ist.

 

17.9.2013

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Britta Baas hat die Entstehung und die Geschichte des Glaubensbekenntnisses hervorragend dargestellt. Nur kann man dieses dem modernen Menschen nicht weiter zumuten, denn die Aussagen des Credo sind für ihn schlicht und einfach nicht nachvollziehbar. Der heutige Mensch ist geprägt vom modernen Weltbild, der modernen Kosmologie, der Quantenphysik; er lebt im Bewusstsein, dass die Natur, die Evolution, ihren eigenen Gesetzen und keinem göttlichen Plan folgt; dass in den Naturkatastrophen nicht eine Absicht Gottes zu erkennen ist, die Menschheit zu züchtigen. Was soll die Trinität, wenn es schon erhebliche Mühe macht, überhaupt einen Gott im Kosmos zu erkennen. Das Glaubensbekenntnis beruht auf dem hellenistischen Weltbild und der diesem zugrunde liegenden griechischen Philosophie. Heute sind wir meilenweit davon entfernt.

22.4.2013

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Der Artikel „weil es tröstet und hilft“  im  „Publik-Forum“ Nr. 21/2012 vom 09.11.2012 hat mir aus dem Herzen gesprochen. Auch ich bete, regelmässig, das Vater-Unser und andere selbst formulierte Gebete und weiss nicht, zu wem ich bete. Der Glaube an den christlichen allmächtigen und allwissenden Gott ist mir längst abhanden gekommen. Und trotzdem halte ich mich für gläubig, und zwar aufgrund der Erkenntnisse der modernen Physik. Diese ist dem Geheimnis des Ursprungs des Kosmos und dem Wesen der Materie sehr nahe gekommen. Alles ist Energie. Moderne Physiker vermuten in der Energie eine Kraft, hinter welcher eine unfassbare Wirklichkeit steht, welche sie Geist nennen. Diesen Geist erkenne ich in allem, was mich umgibt. Ich staune immer wieder über das Wunder des Lebens, über die unvorstellbare Komplexität des menschlichen Körpers. Hinter all dem muss in meiner Vorstellung ein gestaltender Wille stehen. Mit diesem Geist fühle ich mich verbunden. Mit ihm tausche ich mich aus, wenn ich „bete“.

Erschienen in Publik-Forum Nr. 23 / 7.12.2012, S. 63

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Stellungnahme zu Artikel "Schwach ist das Christentum"
Zukunft des Christentums

> Originalartikel aus NZZ am Sonntag, 18. September 2011 lesen

Mit der fundierten Analyse des heutigen Zustandes des Christentums des streitbaren ehemaligen kath. Priesters Josef Hochstrasser gehe ich weitgehend einig. Seine Zukunftsvision kann ich allerdings nicht nachvollziehen.

Hochstrasser argumentiert, dass die Kirchen immer noch zu stark mit dem Staat verbunden seien, wodurch sie in ihrer Handlungs-, vor allem in ihrer Verkündigungsfreiheit eingeschränkt seien und unglaubwürdig wirken. Hochstrasser plädiert für eine endgültige und radikale Trennung von Thron und Altar, hin zu einem Zustand zu Beginn des Christentums, in welchen die christlichen Gemeinden (man kann noch nicht von Kirche reden) im römischen Kaiserreich eine subversive Gesellschaftskraft bildeten. Diese Vorstellung ist Wunschdenken und durch die moderne Geschichtsforschung widerlegt. Das junge Christentum war im römischen Staat wegen seiner schwer durchschaubaren religiösen Praxis ziemlich angefeindet. Um nicht noch mehr Aufsehen zu erregen, bemühten sich die damaligen Christinnen und Christen, sich so unauffällig wie möglich zu verhalten. Diese Tendenz kann schon in apostolischer Zeit ausgemacht werden. Nur so ist erklärbar, dass Paulus in seinen Briefen zu unserem heutigen Erstaunen Loyalität gegenüber der Staatsgewalt einfordert: Römerbrief 13,1 „Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt“ (Einheitsübersetzung). Und im Brief an die Epheser, 6,5 befielt er den Sklaven, „dem irdischen Herrn mit Furcht und Zittern zu gehorchen“. Und im 1. Petrus-brief ist zu lesen „Unterwerft euch um des Herrn willen jeder menschlichen Ordnung“. Es lag nie in der Absicht des frühen Christentums, eine Gegengesellschaft zu bilden.

Das schweizerische Modell des Staatskirchenrechts hat nicht nur Nachteile, wie Hochstrasse annimmt. Durch die automatische Steuerpflicht fliessen der Kirche Mittel zu, mit welchen sie neben der normalen Pfarreiseelsorge Arbeitsstellen und Institute für besondere Anliegen und Aufgaben unterhalten kann, welche vielfach einen leichteren Zugang zu kirchenfernen Menschen haben. Ich selber arbeitete in den 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf einem katholischen Industriepfarramt in Zürich, welches leider der ersten Sparübung zum Opfer gefallen ist. Wir hatten Kontakt mit Kreisen, welche mit der Kirche sonst nichts am Hut hatten. – Durch die Verselbständigung der Kirche wäre auch zu befürchten, dass der neue Geldgeber, d. h. die neue kirchliche Behörde, in der kath. Kirche der Bischof, das alleinige Sagen hat und die Arbeit der Gemeindevorsteher vor allem in der Verkündigung nach der Dogmenkonformität beurteilt, was mit finanziellen Konsequenzen verbunden wäre. Und schliesslich würden durch ein solches Modell nicht so sehr gesellschaftskritische Kreise angezogen, sondern Menschen mit Orientierungs-problemen, welche in einer fest gefügten Dogmatik Halt und Sicherheit suchen. Man untersuche nur einmal die Anhängerschaft der Freikirchen und der kath. Piusbruderschaft (Lefebvristen).

Ich bin, wie Josef Hochstrasser, auch sehr angetan von der jesuanischen Urgemeinde...

>ganzen Artikel lesen

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meine Stellungnahme zum Artikel 'Ungehorsam in Österreich'
Es brodelt in der Kirch Oesterreichs

> zum Originalartikel Ungehorsam in Österreich

Das Pfarrblatt Bern ist immer wieder für Überraschungen gut. Die Redaktion hat offensichtlich keine Angst vor heissen Eisen. Im konkreten Fall geht es um die sogenannte Pfarrer-Initiative (oder vielleicht besser -Rebellion?) in Österreich, über welche Paul M. Zulehner in einem langen, ausgewogenen und fundierten Artikel berichtet. Paul Zulehner ist in Bern kein Unbekannter. In den 80er Jahren war er einige Male in der Prairie anzutreffen, wo ich ihm auch begegnen durfte. Er ist einer der kompetentesten und engagiertesten Pastoraltheologen Europas.

Zum Artikel von Paul M. Zulehner möchte ich auf zwei Punkte kurz näher eingehen.

1.   Vieles, was von der Kirchenleitung als Unveränderlich und gar göttliches Recht dargestellt wird, wird auf Jesus von Nazareth zurückgeführt als dem sogenannten Stifter der Kirche. Das ist bibeltheologisch einfach nicht haltbar. Jesus von Nazareth war Jude, nicht der erste Christ, und ist auch als Jude am Schandpfahl des Kreuzes gestorben. Es lag nie in seiner Absicht, eine Bewegung zu gründen, welche in ihrer Weiterentwicklung zur heutigen Form der Kirche geführt hat. Jesus wollte, wie es einmal der verstorbene Alttestamentler Herbert Haag ausdrückt hatte, aus Juden bessere Juden machen. Die Jünger, welcher er um sich scharte, waren ebenfalls Juden. Nach dem frühen Tod ihres Meisters trugen sie seine aus dem jüdischen Kontext heraus formulierte Botschaft weiter. Es bildete sich eine eher lose Bewegung von zunächst jüdischen Anhängern, welche sich, der Erinnerungs-Aufforderung Jesu folgend, periodisch zum Brotberechen, meist in Privathäusern versammelten (Mahlgemeinschaften - völlig undogmatisch). Dabei spielten die Frauen offenbar eine wichtige Rolle, wie aus den Briefen des Apostels Paulus hervorgeht. Häufig waren es Frauen, welche ihr Haus oder ihre Wohnung für solche Versammlungen zur Verfügung stellten und den Mahlfeiern auch vorstanden. In den Paulusbriefen kommt sogar eine Apostolin vor. Es ist deshalb schleierhaft, wie die Kirche mit dem Rückgriff auf den Ursprung der Kirche den Frauen die volle Teilhabe an kirchlichen Leitungsämtern verwehren will.

Es ist, kurz zuammengefasst, unzulässig, den Juden Jesus von Nazareth auf dem Hintergrund der später unter hellenistischem Einfluss erfolgten christlichen Lehrentwicklung zurückdogmatisieren zu wollen, wie dies immer wieder, gerade unter dem heutigen Papst, geschieht.

2.   In ihrer 2000-jährigen Geschichte ist die römische Kirche nie auf ein Reformbegehren eingegangen, angefangen mit den Katharern im 12. Jahrhundert, welche jahrhundertlang blutig verfolgt wurden bis zur Reformation Luthers, Zwinglis und Calvins. Luther wollte ursprünglich gar keinen Abfall von Rom. Anstatt mit Dialog, antwortete die römische Kirche mit dem konfrontativen Konzil von Trient 1545-1563, in welchem die katholische Lehre ausformuliert und für Jahrhunderte verfestigt wurde, ohne auch nur einen Millimeter auf auch berechtigte Anliegen der Reformation einzugehen. Die unheilvolle Konsequenz war, dass sich sowohl die katholische Kirche wie auch die reformierten Kirchen dogmatisch verhärteten, sich für Jahrhunderte festlegten und sich bis ins 20. Jahrhundert hinein einen sterilen 'Grabenkrieg' lieferten. Sie verkeilten sich dauernd in Lehrfragen und nahmen gar nicht wahr, in welche Richtung sich die Welt entwickelte und veränderte, - weg von den Kirchen! Diese verpassten buchstäblich die Neuzeit, in welcher heute, um es etwas drastisch auszudrücken, *die Welt vor die Hunde geht. Erst das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 1965) nahm einige Anliegen der Reformation auf...

>ganzen Artikel lesen

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Stellungnahme zum Brief von Bischof Vitus Huonder an seinen Klerus vom 13. August 2010

> Originalschreiben von Bischof Huonder lesen

Bischof Vitus Huonder beklagt sich in einem langen Brief an den Klerus des Bistums Chur über Indiskretionen und damit zusammenhängend Behinderungen seiner Amtshandlungen.

Es sei in Erinnerung gerufen, dass Bischof Huonder durch eine für schweizerische Verhältnisse höchst problematische, undemokratische Wahl zu seinem Amt gekommen ist, was seine Glaubwürdigkeit in Klerus und Basis von vornherein arg strapaziert hat. Disziplinarmassnahmen sind in dieser Situation das untauglichste Mittel, Glaubwürdigkeit und Akzeptanz zu fördern.

Zur Untermauerung seiner Entscheide führt Bischof Huonder immer wieder das Argument an, dass jede Gemeinschaft Regeln brauche für deren Funktonieren, so auch die Kirche. Fragt sich nur, wer diese Regeln aufstellt. In einem demokratischen Gebilde ist es die Gemeinschaft selber. Und in der (römischen) Kirche?. Ein Mann, der Papst. Zum ersten Mal wurde 1917 das römische Kirchenrecht (codex iuris canonici) von Papst Pius X promulgiert. Johannes Paul II hat dieses 1983 in zentralistischem Sinne, trotz der vom Vatikanum II proklamierten Kollegialität des Bischofskollegium, in alleiniger Machtfülle noch wesentlich verschärft. Es muss nicht besonders betont werden, dass ein solches Vorgehen schweizerischem demokratischem Rechtsempfinden radikal widerspricht.

Bischof Huonder vergisst auch, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben, wo die Kirche eine von der säkularen Gesellschaft verschiedene Institution mit eigenem Recht (göttliches Recht) und Gerichtsbarkeit bilden konnte. Ob man will oder nicht, leben wir heute im Medienzeitalter, wo es praktisch keine Geheimnisse mehr gibt. Das ist nicht immer von Gutem, hat aber den grossen Vorteil, dass dunkle Machenschaften früher oder später ans Tageslicht gelangen. Hätte die Kirche dies frühzeitig begriffen, wäre es

nie zum Missbrauchsskandal gekommen. Bischof Huonder kann lange, mit Verweisung auf das Kirchenrecht, Verschwiegenheit und Gehorsam einfordern, er wird nie verhindern können, dass es Indiskretionen gibt. D. h. die Bischöfe können in

der Schweiz nicht mehr unbeschadet der öffentlichen Meinung Personalenscheide treffen, auch Bischof Huonder nicht. Selbst wenn solche Ernennungen in Einklang stehen mit dem Kirchenrecht, reagiert das auf Jahrhunderte langer schweizerischer demokratischer Tradition beruhende Rechtsempfinden allergisch auf Behördenerlasse, welche diesem Rechtsempfinden widersprechen. Vor allem Personalentscheide, welche den nach langen Kämpfen erlangten religiösen Frieden gefährden, werden von der Öffentlichkeit nicht einfach mehr geschluckt. So wurde die eigenmächtige Ernennung von Marian Eleganti zum Weihbischof als Affront empfunden. So stösst die Absicht von Bischof Huonder, Martin Grichting zum zweiten Weihbischof zu ernennen von vornherein auf klare Ablehnung. Martin Grichting ist ein erklärter Gegner der auf

schweizerischer Tradition beruhenden öffentlich-rechtlichen Stellung einiger Religionsgemeinschaften in der Schweiz. Es ist unverständlich, dass Bischof Huonder dies nicht einsieht. Noch einmal: Bischof Huonder mag das Kirchenrecht auf seiner Seite haben, aber sicher nicht die Basis und die Öffentlichkeit. Und die hat sich in der Schweiz immer als stärker erwiesen.

Bischof Huonder sollte nicht vergessen, dass schon drei Bischöfe des Landes verwiesen wurden: der Basler Lachat, der Genfer Mermillod und Bischof Haas.


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In der NZZ-Ausgabe vom 20. April 2010 geht Martin Rohnheimer in einem Leserbrief „fünf Jahre Benedikt XVI“ mit Hans Küng wegen seines offenen Briefes an den katholischen Episkopat scharf ins Gericht. Er bezichtigt Küng des Undanks gegenüber dem heutigen Papst, der ihn ja, im Gegensatz zum letzten Papst, in einer Privataudienz empfangen habe. Küng sei „tief gefallen“

Es steht nun ausgerechnet Martin Rohnheimer nicht zu, über Hans Küng den Stab zu brechen. Rohnheimer ist Mitglied des ultrakonservativen katholischen sektenähnlichen Ordens Opus Dei, welcher wegen seiner Indoktrinationsmethoden immer wieder ins Gerede kommt und seinerzeit aus dem Schuldienst der Stadt Zürich entfernt werden musste. Es erstaunt nicht, dass Rohnheimer den gegenwärtigen Papst veteidigt. Das Opus Die steht bei ihm, wie auch schon unter seinem Vorgänger (sowie Bischof Huonder), in besonderer Gunst. Der konservative Papst ist dem, um mit Hans Küng zu sprechen, mittelalterlichen Paradigma verpflichtet, welches seinerseits im griechisch-hellenistischen wurzelt. Benedikt XVI ist überzeugt, dass die Inkulturation der christlichen Botschaft in die hellenistische Kultur und deren Philosophie providentiell, von Gott gewollt war und für die Kirche unverzichtbar ist. Nur fusst diese Kultur auf dem antiken Weltbild, welches heute, weiss Gott, radikal überholt ist. Darum auch die von der Kirche verkannte Schwierigkeit des modernen Menschen, sich die christliche, auf dem mittelalterlichen Paradigma fussende Dogmatik zu eigen zu machen. Doch das kümmert den Papst und Rohnheimer nicht. Letzterer würde vermutlich noch den Renaissancepapst Alexander VI verteidigen.

13. Juli 2010

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Rom setzt Basel unter Druck.

Wie Michael Meier richtig schreibt, muss ein römisch-katholischer Bischof vor seiner Weihe dem Papst gegenüber einen Gehorsamseid ablegen. Er verpflichtet sich dabei u. a., das vom römischen Lehramt verwaltete „bonum fidei“, das Glaubensgut vollum-fänglich zu akzeptieren und zu vertreten.

Die Eidespraxis ist in der Geschichte der katholischen Kirche relativ neu. Sie wurde zum ersten Mal praktiziert vom (heiligen) Papst Pius X (1910) und verpflichte damals Bischöfe als auch Priester, den modernistischen Irrtümern abzuschwören (deshalb „Antimodernisteneid“). Dieser Eid wurde 1967 von Papst Paul VI wieder abgeschafft. Die Eidespraxis wurde in veränderter Form von Johannes Paul II 1989 für alle Kleriker wieder eingeführt. Seit 1987 haben die Bischöfe dem Papst gegenüber einen be-sonderen Treueeid zu leisten. Die neue Eidespraxis in der katholischen Kirche provozierte damals heftige Proteste von Theologen und Priestern. Es wurde zu Recht argumentiert, dass der Eid mit Berufung auf Matthäus 5,33 ff unbiblisch sei. Dort sagt Jesus im Verlaufe der Bergpredigt bekanntlich „ihr sollt überhaupt nicht schwören…Eure Rede sei ja-ja, nein-nein“. Doch der Protest verhallte, wie viele andere, in Rom ungehört...
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im Bund vom 9.7.2010 erschienen

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Die kirchengeschichtlichen Gründe der Missbrauchsproblematik

Um die Missbrauchsproblematik richtig zu verstehen, ist es geboten, an den Anfang des Christentums zurückzukehren; denn damals, in den ersten Jahrhunderten nach Jesus, entwickelte sich das Christentum aus drei, wie ich es nennen würde „Geburtsfehlern“. Aus ihnen erwuchsen die Probleme, mit welchen das Christentum, insbesondere die römische Kirche, im Laufe der Geschichte konfrontiert war, bis heute.

Geburtsfehler 1
Hier handelt es sich nicht im eigentlichen Sinne um einen Fehler, eher um ein geschichtliches Verhängnis. Die jüdisch geprägte jerusalemer Urgemeinde, worunter sich viele direkte Augen- und Ohrenzeugen des Lebens Jesu von Nazareth fanden, ist bei der Zerstörung Jerusalems und des jüdischen Tempels durch die Römer im Jahre 70 n. Chr. un-tergegangen. Allfällige schriftliche Zeugnisse sind verschollen oder wurden, was Hans Küng vermutet, von der sich entwickelnden Grosskirche bewusst als häretisch vernichtet. Für die weitere Entwicklung der Kirche gab es also keine Augen- und Ohrenzeugen mehr. Auch die Evangelisten waren keine Zeugen des Lebens Jesu.

Die Bibel der Urgemeinde war die jüdische Bibel, unser Altes Testament. In dieser Bibel ist Gott eine Erfahrungsgrösse, keine Denkgrösse wie in der griechischen Philosophie und der darauf bauenden christlichen Theologie.

Geburtsfehler 2
Was sich nun entwickelte, war das paulinische Christentum. Der pharisäisch geschulte, im hellenistischen Kulturraum geborene Jude Paulus (ursprünglich Schaul / Saulus) hatte Jesus nicht gekannt. In einem dramatischen visionären Bekehrungserlebnis ist ihm Jesus erschienen – der Herr, wie ihn Paulus in seinen Briefen nennt – und hat ihm geboten, die jesuanische Botschaft den Heiden zu verkünden. Dieser Auftrag ist von unvorstellbarer Brisanz und Tragweite. Denn diese Heiden waren Leute, welche im hellenistischen, von griechischer Philosophie und generell griechischer – wie wir heute sagen würden – Weltanschauung geprägten Welt lebten und Griechisch sprachen. Wollte Paulus diese Leute erreichen, musste er seine Botschaft in griechischer Sprache und wenn möglich griechisch-philosophischer Begrifflichkeit formulieren. Diesen Vorgang nennt man Inkulturation (Übersetzung eines Gedankens/Sachverhalts in die Ausdrucksweise einer fremden Kultur). Dass dies passiert ist, erachtet der jetzige Papst als providentiell, von der göttlichen Vorsehung so gewollt!! Das Gleiche unternahm bereits einige Jahrzehnte vor Paulus ein anderer Jude, Philo aus Alexandrien, ein Zeitgenosse Jesu. Er versuchte, die Essenz der jüdischen Bibel, unseres Alten Testamentes, in der Begrifflichkeit der griechischen Philosophie, insbesondere platonischer Prägung, auszudrücken. Doch das rabbinische Judentum wollte nichts davon wissen. Es war immun gegen die philosophische Versuchung, bis heute. Auf umso fruchtbareren Boden fiel die christliche, paulinisch gefärbte Botschaft bei den philosophisch geschulten Griechen und Römern, welche begannen, diese Botschaft in philosophischer Manier zu systematisieren. Man errichtete Denkmodelle über Gott, Jesus den Christus, die Erlösung, das Heil, die Kirche, usw. Der erste war ein gewisser Justinus, genannt der Märtyrer (um 150 n. Chr.). Ihm folgte im 3. Jh. n. Chr. Ori-genes aus Alexandrien. Sein Anliegen war, die gesamte Philosophie seiner Zeit von einem christlichen Gesichtspunkt aus zu überschauen und das Christentum in hellenistischer Tradition zu einer universellen Theorie zu erhöhen (aus Wikipedia).
So ging es weiter. Im 4. Jh. n. Chr. kam Augustinus, welcher dem Christentum – grosso modo – die Gestalt gab, wie wir sie heute kennen. Man muss nun wissen, dass Augustinus ein Anhänger der Philosophie Platons (4. Jh. v. Chr.) und seines Schülers Plotins (3. Jh. n. Chr.) war. Warum ist das so wichtig? Extrem vereinfacht gesagt, ist in der Vorstellung Platons die Welt, in welcher wir leben, welche wir sehen, betasten, riechen usw. können, gar nicht wirklich existent, eine Sinnestäuschung. Wirklich sind die Urbilder, die „Ideen“ der materiellen Wirklichkeit, welche in einer geistigen Dimension angesiedelt sind. Wirklich ist nicht der konkrete Mensch, wirklich ist das Bild, die Idee des Menschen in der Ideenwelt. Dieses Schema wurde auf die christliche Theologie angewandt. Die konkrete Gestalt der Kirche mit ihren fehlbaren Repräsentanten und Anhängern entspricht nicht der reinen Vorstellung, der reinen Idee Kir-che. Die so gedachte „reine“ Kirche als Idee ist heilig, makellos, fehlerfrei, beispielhaft. Und die Repräsentanten dieser Idee, die Priester, Bi-schöfe und die Päpste, sind durch die Weihe in grosse Nähe dieser Idee gehoben. Darum bekundet die Kirchenleitung extreme Mühe, sich nur vorstellen zu können, dass ihre Repräsentanten in erster Linie konkrete fehlerhafte Menschen sind. Darum schweigt man dann eben auch bei Verfehlungen... Darum auch hat die offizielle Kirchenleitung die Forschungsergebnisse der modernen Humanwissenschaften nie zur Kenntnis nehmen wollen. Insbesondere die bahnbrechende Entde-ckung Freuds, dass die grösste Antriebskraft des Menschen die Libido ist, von welcher die Sexualität ein Teil, allerdings ein wesentlicher Teil ist, rief in Rom Empörung hervor und Freud landete auf dem damals noch existierenden Index der verbotenen Bücher. Nun rächt sich das Wegschauen. Ob Rom fähig ist, der Wirklichkeit ins Antlitz zu schauen, ist fraglich. Denn das würde heissen, dass man viele Positionen der rigiden und überholten Moral revidieren müsste. Dann müsste man auch zur Kenntnis nehmen und sich eingestehen, dass der Zölibat im Grunde genommen für die Mehrheit nicht lebbar ist; dass er auch nie wirklich eingehalten worden ist und dass er im Tiefsten, als Gebot, als Pflicht, der Menschenwürde widerspricht.

Die Kirche ist in ihrem eigenen System gefangen. Das zweite Vatikani-sche Konzil hat zwar ein Fenster zur Welt hin aufgestossen. Dieses wurde jedoch bald danach aus Angst vor unkontrollierbaren Entwick-lungen schon durch den Nachfolger des Konzilspapstes Johannes XXIII, Paul VI, wieder zugestossen. Jetzt ist es verschlossener denn je.

Geburtsfehler 3
Der dritte Geburtsfehler bestand darin, dass der Kirche nach Jahrhun-derten blutiger Verfolgung im 4. Jh. n. Chr. durch den Kaiser Konstantin nicht nur die Freiheit der Religionsausübung zugestanden worden war, sondern dass sie Staatsreligion wurde und dass den Bischöfen politische Befugnisse übertragen wurden. Die Kirche wurde ein Machtfaktor, und Macht gibt man normalerweise nicht freiwillig ab. Auch Jesus wurde der Versuchung der Macht ausgesetzt in der berühmten Versuchungsgeschichte der synoptischen Evangelien (Bsp. Matthäus 4,1-11), doch Jesus wies das Ansinnen des Teufels entrüstet zurück, im Gegensatz zur Kirche des 4. Jh. n. Chr. So ändern sich die Zeiten ….

3.5.2010

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„Er sitzt auch unter uns“

In einem kürzlich im Zürcher Pfarrblatt Forum (20/2009) erschienen Artikel zum Apostolischen Glaubensbekenntnis wird „Gott, der Allmächtige“ mit El Shaddai, einem der Gottesnamen der hebräischen Bibel, assoziiert. Das hat mich stutzig gemacht, denn ich bin dieser Übersetzung von El Shaddai noch nie begegnet und das Wort Allmacht kommt, und Nachfrage bei Hebraisten bestätigten dies, im alten Hebräisch nicht vor. Im hebräisch-deutsche Wörterbuch steht für El Shaddai schlicht: ein Got-tesname. Das „Theologische Handwörterbuch zum Alten Testament“, welches ich noch konsultierte, widmet dem Wort El Shaddai viereinhalb Seiten! Da kann man erfahren, dass die Herkunft dieses Gottesnamens ungewiss ist. Die Vorsilbe EL deutet darauf hin, dass das Wort aus dem Kananäischen stammt, wo El ein Gottesname ist, der dann später auch für den hebräischen Gott verwendet wurde. Das zweite Wort Shaddai wird am besten mit „der Gewaltige“ wiedergegeben, weil in ihm eine Wurzel enthalten ist, schdd (phonetisch ausgesprochen), welche „gewaltig“ bedeuten dürfte...
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23.10.2009

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Wer ist Papst Benedikt XVI.

Als Kardinal Josef Ratzinger zum Papst gewählt wurde, schrieb ich in einem eben fertiggestellten, vom Bund am 18.4.05 veröffentlichen Leserbrief als Nachsatz „PS: soeben erfahre ich, dass Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt wurde – die totale Katastrophe.“ Dieser Nachsatz ist in der kurzen Amtszeit von Benedikt XVI traurige Realität geworden. Dieser Papst ist sich treu geblieben.
Erinnern wir uns: als Kardinal hat er die in seiner Sicht marxistisch unterwanderte Befreiungstheologie zerschlagen, hat den Befreiungstheologen Leonardo Boff aus seinem Orden und dem Priesteramt getrieben, hat auch den Befreiungstheologen Jan Sobrino gemassregelt, hat unzählige nicht linientreue Theologieprofessoren vom Katheder gestossen, hat zugelassen, dass in der Schweiz der erzkonservative Bischof Vitus Huonder, eine smartere Ausgabe von Bischof Haas, in einer Treu und Glauben Hohn sprechenden Art und Weise auf den mehr als tausendjährigen altehrwürdigen Bischofsstuhl von Chur gehoben wurde, und erst kürzlich hat er in Linz einen ultrakonservativen Dorfpfarrer zum Weihbischof ernannt, der es aber angesichts des Aufstandes des Kirchenvolkes vorgezogen hat, noch vor der Weihe zurückzutreten. Als Kardinal war Benedikt XVI meines Wissens dagegen, dass sein Vorgänger, Johannes Paul II, für die Vergangenheit der Kirche ein Schuldbekenntnis ablegt...
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22.2.2009

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Die Kirchen und die Ökologiekrise

Fast nicht zu glauben: es geschehen noch Wunder in der Kirchenlandschaft. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund hat ein Buch herausgegeben zur immer brennender werdenden Energieproblematik mit dem Titel:
„Energieethik. – Unterwegs in ein neues Energiezeitalter. – Nachhaltige Perspektiven nach dem Ende des Erdöls“. Und der Oekumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartolomaios I. nannte menschlich verursache Umwelt-zerstörung Sünde. Und die offizielle katholische Kirche? Für sie ist immer noch das Kondom, eine lebensfremde Sexualmoral generell, das grösste Problem, derweil eine Welt vor die Hunde geht. Doch auch hier besteht Hoffnung. Da für die Produktion von Kondomen auch fossile Energie benötigt wird, findet das Kondomproblem vielleicht mit dem absehbaren Ende des Erdölzeitalters eine elegante natürliche Lösung.

20.5.2008

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Die Debatte über Pädophiliefälle von Priestern reisst nicht ab.

Kirchliche Amtsträger werfen den Medien nun vor, wenige zudem noch verjährte Fälle aus Gründen der Umsatzsteigerung hochzuspielen. Im übrigen bestehe kein Zusammenhang zwischen Pädophilie und Zölibat.
Pädophilie sei ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen.

Ich bin einverstanden, dass Pädophilie in keinem zwingenden Zusammenhang mit dem Zölibat steht. Ich bin auch einverstanden, dass Pädophilie – leider – ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen ist, wobei die Dunkelziffer im säkularen wie auch im kirchlichen Bereich hoch sein dürfte. Warum aber Pädophiliefälle im säkularen Bereich weniger Aufmerksamkeit erregen als im kirchlichen, liegt in der Art und Weise, wie die Amtsträger in der Kirche mit solchen und anderen Problemfällen umgehen: totschweigen, aussitzen, bis es nicht mehr geht. Bis eben die Presse Wind erhält von solchen Fällen und sich wie Wölfe auf die Beute stürzt. Was die Kirche aber zudem extrem verwundbar macht, ist der moralische Anspruch, mit welcher sie auftritt. Wer mit dem Anspruch absoluter moralischer Autorität auftritt und sich als moralischen Weltpolizisten aufspielt, darf sich nicht wundern, wenn sie selber mit diesem Anspruch gemessen wird; wenn Verfehlungen von Mitarbeitern von der Öffentlichkeit mit der gleichen Rigorosität verfolgt werden, welche sie in ihrem Moralcodex von den Gläubigen abverlangt. – Im übrigen möchte ich Bischof Genoud von Freiburg gratulieren für den Mut, sich öffentlich für die Verfehlungen von Priestern entschuldigt zu haben. Zur Nachahmung empfohlen!

28.2.2008

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„Unsere Kirche hat Prinzipien“

(Interview mit Bischof Huonder in der NZZ am Sonntag vom 17. Februar 2008)
Bischof Huonder wurde in einem völlig undemokratischen Wahlverfahren gewählt (römische Dreierliste mit nur einem valablen Kandidaten: Huonder). Wenn sich jemand mit solch manipulativen Methoden in ein Amt wählen lässt, wirft dies ein eigenartiges Licht auf seinen Charakter. Wenn er nun von den Gläubigen Loyalität einfordert, dann sind solche Vorkommnisse schlechte Voraussetzungen dazu. Seine eigentliche Aufgabe sieht er nun darin, vermutlich mit Rückenddeckung aus Rom dem in der Schweiz zu large gehandhabten Kirchenrecht Nachachtung verschaffen.
Jede Gemeinschaft funktioniere nach bestimmten Regeln. Einverstanden, fragt sich nur, wer diese Regeln festlegt. In der römischen Kirche nur ein Mann, der Papst... >weiterlesen

20.2.2008

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Warum stehen die die Kirchen leer?

Kürzlich wurde in einer Sendung des „Zischtigsclub“ des Schweizer Fernsehens darüber diskutiert, warum die Kirchen leer stehen. Diese Frage ist seit der sukzessiven „kalten“ Annullierung des Zweiten Vatikanischen Konzils ab den 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts durch Rom ein Dauerbrenner.
Schon 1992 wurde im Tages-Anzeiger die Frage aufgeworfen, was die Kirchen falsch machen.
Ich kann eigentlich nur wiederholen, was ich damals (7.1.1993) in einem Leserbrief geschrieben habe... >weiterlesen

23.1.2008

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Die Religion des Totalen Marktes und die christlichen Kirchen

Der scharfsinnige, gesellschaftskritische, katholische Autor Carl Amery, 1972 über Nacht bekannt geworden durch sein provokatives Buch „Das Ende der Vorsehung – Die gnadenlosen Folgen des Christentums“ analysiert in seinem 2002 kurz vor seinem Tod (2005) erschienen Buch „Global Exit – Die Kirchen und der Totale Markt“ messerscharf, in markigen Worten und der ihm eigenen blumigen, manchmal sarkastischen Sprache das heutige Wirtschafts- und Gesellschaftssystem und das Verhältnis der christlichen Kirchen dazu. Wie ein Mahnruf eines alttestamentlichen Propheten stellt er dem Buch als Préface die eindringlichen Worte voran: ...
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5.1.2008 | (noch) nicht veröffentlicht

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Demokratie in der Kirche

Gemäss Bischof Kurt Koch komme mit Berufung auf die Evangelien Demokratie für die röm.-kath. Kirche deshalb nicht in Fragen, weil der Souverän nicht, wie in einer Demo(Volk)-Kratie, das Volk sei, sondern sein Gründer und Stifter Jesus Christus. Der Verweis auf die Evangelien scheint mir fragwürdig zu sein, weil es eben nicht nur ein, sondern vier Evangelien gibt mit zum Teil gewichtigen Unterschieden untereinander und dadurch unterschiedliche Gemeindetraditionen reflektieren.
Wenn nicht die Evangelien, dann wäre m. E. die Berufung auf Paulus am ehesten geeignet, den Absolutheitsanspruch des christlichen Glaubens zu begründen, denn die paulinische Theologie hat die spätere Theologieentwicklung wie keine andere nachhaltig beeinflusst. Aber um was genau geht es Bischof Koch?...
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10.Juli 07
Veröffentlicht auf der Internetseite des kath. Pfarrblatts Bern

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POLITIK
Ex-Armeechef Nef und die Presse

Was sich Ex-Armeechef Nef gegenüber seiner Ex-Partnerin geleistet hat, ist zutiefst verwerflich. Genauso verwerflich ist nun aber die Pressekampagne, die gegen ihn losgetreten worden ist. Dass der Sonntagsblick noch Details aus den inkriminierten Inseraten veröffentlichen musste, ist ebenso geschmacklos wie empörend. Das grenzt an Rufmord. Es besteht absolut kein öffentliches Interesse daran, solche Details an die Öffentlichkeit zu zerren. Die Aufdeckung des Tatbestandes des Stalking hätte vollauf genügt. Wenn Halbstarke ein auf dem Boden liegendes wehrloses Opfer mit Fusstritten spitalreif traktieren, ist die Öffentlichkeit zu Recht empört.
Ich sehe keinen Unterschied zwischen einem solchen Verhalten und der Sonntagsblickkampagne. Herr Nef ist ein erledigter Mann und ich möchte hoffen, dass der verantwortliche Redaktor rechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann.

28.7.2008

Christoph Blocher,

der von sich selber als „abgewählter“ Bundesrat spricht („Täubele“-Reaktion eines Kindes), lässt sich von den mehr als 100'000 Unterschriften zugunsten von Evelyne Widmer-Schlumpf und die von mehr als 10'000 Personen besuchten Demonstration auf dem Bundesplatz nicht beeindrucken und bezeichnet laut NZZ das ganze als lächerlich. Dieses Lächerlichmachen von allem und allen sollte eigentlich dem „Hintersten und Letzten“ die Augen öffnen für diesen Menschen: ein mieser Charakter. Ein solcher hat im Bundesrat wirklich nichts zu suchen.

12.4.2008

Der Bundesrat hat in seiner Mehrheit die CO2-Abgabe gekippt.

Die Wirtschaft hat sich durchgesetzt. Ein Pyrrhus-Sieg. Denn die Fakten sind klar, aber man will sie nicht wahrhaben. Man betäubt den Schmerz, um weiterleben und weitermachen zu können wie bisher. Alle ernsthaften, kompetenten und nicht „gekauften“ Wissenschafter sind sich einig, dass unvorstellbare Probleme auf die Menschheit zukommen. Wenn wir nicht sofort handeln, läuft uns die Zeit davon. Auch wenn viele Probleme mit Rohstoffen und Energie – einiger-massen – gelöst werden können, bleibt immer noch der Klimawandel, der irreversibel ist, und je länger man zuwartet mit griffigen Massnahmen, um so verheerender werden die Folgen sein. Aber weit und breit ist kein weltweiter Wille auszumachen, die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Man handelt nach dem Schwarzpeterprinzip: ich nur, wenn Du auch. Wenn alle so denken, passiert nichts. – Das Erwachen wird schrecklich sein. Aber offenbar man will es so!? Die biblischen Mythen von Sintflut und Turmbau zu Babel lassen Grüssen.

27.2.2008

Eine wirklich total verrückte Welt.

Beispiel: In Afrika, einem der ärmsten Kontinente der Welt, schlagen die Leute einander in vielen Ländern die Köpfe ein. Die Waffen erhalten sie – dafür ist Geld in den betreffenden Ländern vorhanden! – von den Industrienationen, auch der Schweiz. Hinterher kommen dann die Entwicklungshelfer und Rot-Kreuz-Leute, um mit dem Geld der Bevölkerung der gleichen Industrienationen die Not zu lindern und Wiederaufbau zu leisten. Verstehen Sie was von Logik?

13.2.2008

Erstaunlicher Ausgang der Minarettinitiative.

Der von niemandem erwartete Ausgang der Minarettinitiative hat eine Flut von Kommentaren ausgelöst. Über die meisten kann ich nur staunen. Die meisten gehen an der Volksrealität völlig vorbei. Die Schweizer sind doch grossmehrheitlich keine Rassisten und hegen keinen ausgeprägten Fremdenhass.
Keiner der sich in hohen Sphären bewegenden Kommentatoren hat sich die Mühe genommen, einige Befürworter an der Basis nach ihren wahren Beweggründen zu befragen. Der letzte Zischtigsclub war in dieser Beziehung aufschlussreich. “Ich will doch nicht, dass in meinem Dorf von 1000 Einwohnern ein Minarett zu stehen kommt. In einer Grossstadt meinetwegen, aber nicht in jeder Ortschaft der Schweiz. Und dann wenn möglich noch mit Muezzin.“... > weiterlesen

10.12.2009

Was derzeit gegen Bundesrätin Evelyn Widmer-Schlumpf

bei den SVP-Hardlinern abläuft, erinnert stark an die Vorgänge zu Beginn der Nazi-Zeit anfangs der 30-er Jahre. Fehlt nur noch der Hitlergruss, dann wäre der Vergleich perfekt. Um diesen Vergleich noch weiterzuspinnen, muss man sich immer bewusst sein, dass Hitler legal und nicht durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen ist! Und man muss sich auch bewusst sein, dass Hitler, wäre er in der Schweiz einmarschiert, auch Zustimmung gefunden hätte, keinen grossen zwar, aber immerhin. In einer Diktatur genügt eine Minderheit. Gnad Gott der Schweiz, wenn die heutige SVP à la Blocher die Mehrheit in der Schweiz erlangen sollte …. Dann gehen vielleicht vielen heute Zujubelnden die Augen auf – zu spät.

23.4.2008

Abwahl von Bundesrat Christoph Blocher

Christoph Blocher ist mit Drohung und Erpressung in den Bundesrat gewählt worden und er ist mit Drohung und Erpressung aus dem Amt geschieden (worden). Ich verstehe nicht, dass es einem wohl sein kann in seiner Haut, wenn man Ziele – Lebensziele – mit Gewalt erreichen muss. Und ich frage mich, was für ein Charakter in seinem solchen Menschen steckt….
Es ist übrigens noch nicht so langer her, dass solcher Politstil Europa nicht gut bekam.

Über den Leistungsausweis von Christoph Blocher im Bundesrat kann ich mich nicht äussern. Über seinen Stil und sein despektierlichen Umgangston ist schon genug geschrieben worden.
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20.12.2007

GESELLSCHAFT
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ÖKOLOGIE
"Grenzen des Wachstums im Widerstreit der Meinungen"

Im Jahre 1972 prognostizierten amerikanische Wissenschafter des renom-mierten MIT (Massachusetts Institut of Technology) innerhalb von 50 Jahren den Kollaps des technisch-zivilisatorischen Weltsystem, wenn das Wachstum ungebremst weitergeht wie bis anhin (rund 4 % pro Jahr). Diese Folgen sind nicht im Entferntesten eingetreten und die Technokraten sehen sich bestätigt in ihrer Forschrittseuphorie. Haben sie Recht?

Der in München lebende Naturwissenschafter und -philosoph Paul Erbrich SJ hat es nun verdientvollerweise unternommen, den Gründen der scheinbaren Fehlprognosen von "Grenzen des Wachstums" nachzugehen...
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24.1.2008

WIRTSCHAFT
Novartis stellt 2000 Mitarbeiter auf die Strasse

Der Präsident von Novartis, der hochkatholische Daniel Vasella (Finanzberater des Abtes von Einsiedeln), stellt weltweit 2000, in der Schweiz 1000 Leute, Mitarbeiter von Novartisbetrieben, auf die Strasse. 2000 menschliche Existenzen mit den dahinterliegenden Familien. Grund dafür sind für die Zukunft vermutete wirtschaftliche Schwierigkeiten, also keine handfesten Gewissheiten. Hier zeigt sich die hässliche Fratze des sogenannten Kapitalismus. Das Geld, eben das Kapital, marxistisch ausgedrückt die Produktionsmittelbesitzer, bestimmen allein über die Geschicke eines Betriebes, inklusive menschlicher Arbeitskraft. Da die Lohnkosten meist den grössten Unkostenfaktor darstellen, wird in diesem Sektor zuerst der Rotstift angesetzt. Die kapitalistische Herrschaftsform hat sich geschichtlich durchgesetzt nach der Zerschlagung des Zunftsystems in der französischen Revolution und dem Aufkommen des heutigen marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystems. Mangels anderer Vorbilder übernahm man für die Leitung der Unternehmen das militärische, hierarchische Führungsmodell und gewährte den Besitzern der Unternehmen implizit die alleinige Verfügungsgewalt. Im Laufe der Zeit wurde dieser Status Quo gesetzliche geregelt (Aktienrecht). Alle Versuche, diese Verhältnisse zu ändern, sind bis heute fehlgeschlagen. Sogar im real existierenden Kommunismus wurden die Visionen von Karl Marx von der Diktatur des Proletariats, also die Herrschaft der Arbeitenden, der Belegschaft, nicht verwirklicht. In Deutschland funktioniert das Mitbestimmungsgesetzt nur schlecht und recht. Und doch ist dieser Zustand vom ethischen Gesichtspunkt aus gesehen äusserst unbefriedigend. Es ist zutiefst stossend, dass Geld allein über menschliche Existenzen verfügen kann. Im vorliegenden Fall der Novartis ist empörend um nicht mehr zu sagen, dass mit den Belegschaften vorgängig nicht einmal das Gespräch gesucht worden ist. Solche Beispiele sind gerade Öl ins Feuer der Juso-Heisssporne, welche immer noch von der Überwindung des Kapitalismus träumen. Nur haben auch sie keine praktikable Lösung parat...>weiterlesen

veröffentlicht im Tages-Anzeiger, 4.11.2011

Am 17. November 2003 reagierte ich in einem Brief auf einen Artikel in der „Finanz und Wirtschaft“ (FuW), verfasst von einem „Praktikus“ genannten Redaktor. Mein Brief hat nichts von seiner Aktualität verloren.

Sehr geehrter Praktikus

Ich bin seit etwa 4 Jahren bei der FuW abonniert und schätze die Zeitung für ihre Kompetenz in Finanz- und Wirtschaftsfragen. Nur stört mich an Ihnen Ihre “Linkenhatz“, die immer wieder mal durchdrückt; das letzte Mal im Zusammenhang mit dem Auftritt von Peter Bodenmann an der Herbsttagung des Swiss Management in Rüschlikon. Ich habe Verständnis, dass Ihre Zeitung „wirtschaftsfreundlich“ ist, nur müsste man sich darüber verständigen, was damit gemeint ist.
Heute versteht man darunter in „Fachkreisen“ generell Marktwirtschaft „pur“: weniger Staat und uneingeschränktes Spiel der Marktkräfte.

Ich bin SP-Mitglied und HSG-Ökonom, Jahrgang 1927, also schon seit geraumer Zeit pensioniert.
Ich habe 50 Jahre Schweizer Wirtschaftsentwicklung miterlebt und – in leitender Stellung (Versicherungswirtschaft) – mitgestaltet... >weiterlesen

26.1.2008

 

JUGEND
Jugendgewalt

Jugendgewalt ist wieder in aller Munde, mindestens, wenn man auf die Medien abstellt. Erstaunlich ist, dass man dieses eminent gesellschaftliche Problem politisch wieder der SVP überlässt. Dabei ist das Phänomen schon lange bekannt. Bereits im Jahre 2003 habe ich in einem Leserbrief im „Der Bund“ darauf aufmerksam gemacht und die Ursachen analysiert. Der Leserbrief ist heute so aktuell wie damals:
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Ein Entsetzensschrei hallte durch Bern. Sieben Jugendliche zwischen 17 und 21 Jahren haben nachts um 2 Uhr in der Berner Altstadt einen 40-jährigen Mann brutal niedergeschlagen, mit lebensgefährlichen Verletzungen liegen gelassen und um ein paar lausige hundert Fränkli erleichtert. Wie kann so etwas geschehen?...

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26.1.2008